Carrera Hack wird von Rennsport Mentalcoach Helmut Tietz betreut

Seit Anfang Juni betreut mich der Rennsport Mentalcoach Helmut Tietz. Bei seinem ersten Besuch bei mir privat zu Hause, haben wir uns erst mal kennen gelernt. An diesem Tag haben wir über viele Dinge gesprochen die mich privat und auch in meinem Rennsport bewegen. Was sind meine Ziele, wo will ich einmal hin und was bin ich bereit dafür zu investieren. Seit dieser Zeit telefonieren wir wöchentlich oder wir skypen und er gibt mir kurze Anweisungen welche Mentalübungen ich machen soll oder auch etwas über Fitnessübungen.

Bei meinem letzten Rennen am Hunsrückring hat mich Helmut Tietz erstmals auf dem Rennplatz besucht und mich drei Tage lang begleitet.

Ich gebe Euch hier mal einen Einblick wie das an dem Wochenende ablief.

Am Freitag beobachtete mich Helmut zunächst einmal beim Fahren im freien Training und wie ich mich so tagsüber verhalten habe. Am Abend wurde dann das Ganze besprochen. Im Training gab es zum Beispiel eine Situation, wo mich ein anderer Fahrer gesperrt hat.  Das hat mich richtig aufgeregt, weil das im freien Training nicht sein muss. Ich habe mich bestimmt eine halbe Stunde lang immer wieder von neuem über den Typ aufgeregt. Am Abend habe ich mich dann mit Helmut in seinem Wohnmobil getroffen und wir sprachen darüber, was ihm alles aufgefallen ist.
Z.B.: Dass es keinen Sinn macht, sich über Situationen aufzuregen, die ich nicht oder nicht mehr ändern kann. Ich sollte mich nicht über die Situation mit dem Fahrer, der mich gesperrt hat ärgern und ihm die Faust zeigen. Denn durch den Ärger werde ich in diesem Moment völlig abgelenkt, konzentriere mich nicht mehr auf das Renngeschehen, sondern vergeude wertvolle Zeit und die Wahrscheinlichkeit selbst Fehler zu machen, erhöht sich dramatisch. Dinge die geschehen sind, kann ich nicht verändern, deshalb ist es wichtig, sie sofort abzuhaken und mich auf die nächste Kurve oder auf das nächste Rennen konzentrieren.

Am Samstag habe ich mich morgens mit Helmut wieder im Wohnmobil getroffen und wir vereinbarten, dass ich – egal was heute passiert – im Training auf der Rennstrecke oder auch danach ruhig reagieren und einfach nur konzentriert nach vorne sehen soll.

Während der freien Trainingsläufe gab es immer wieder mal Situationen mit langsameren Fahrern, aber das hat mich nach diesen Gesprächen nicht mehr beeindruckt, sondern ich versuchte in Ruhe und konzentriert vorbeizufahren. Etwas Probleme hatte ich noch beim Überholen nach der Startkurve, da habe ich oft einfach zurückgezogen. Nach einem weiteren Gespräch mit Helmut, dem die Situation auch aufgefallen war, habe ich gedanklich im Kopf mehrfach durchgespielt wie ich an dieser stelle erfolgreich überhole und mich dann beim nächsten Training auf der Strecke nur darauf konzentriert, an dieser Stelle zu überholen. Nach etwas zögern hat es dann auch geklappt und ich hatte mein ungutes Gefühl überwunden.

Der Renntag ist immer etwas besonderes, morgens ist zunächst freies Training und dann das Qualifying. Da ich am Freitag und am Samstag mit die schnellsten Zeiten in meiner Klasse der Rotax Max Junioren gefahren bin, empfand ich schon eine große Belastung. Trotzdem bin  ich völlig entspannt erst mal morgens ins freie Training gefahren und ich merkte sofort, mein Kart liegt gut und auch meine Rundenzeiten die ich auf meinem MyChron ablesen konnte, sahen sehr gut aus. Als ich dann erfuhr dass ich die drittschnellste Zeit gefahren bin war ich sehr glücklich, aber das Qualifying stand ja noch bevor.

Helmut hat dann nochmals mit mir gesprochen und danach bin ich ruhig und entspannt in das entscheidende Qualifying für die Startaufstellung gefahren. Ich hatte es ja eben gezeigt, dass ich schnell bin, also kann ich es jetzt auch. So bin ich rein ins Qualifying, habe erst mal meine neuen Slicks etwas eingefahren und dann Vollgas gegeben. Alles lief perfekt und ich merkte sehr schnell an meinen Rundenzeiten, dass ich sogar noch über eine Sekunde schneller war. Leider hatte ich nur die 5. Startposition erreicht, aber es waren nur wenige hundertstel Sekunden und ich wäre auf dem zweiten oder dritten Platz gewesen.

Danach war Pause und mein Rennkart wurde fürs Rennen vorbereitet. Mit meinem Team und mit meinen Freunden alberte ich etwas herum, aß noch etwas und schloss meine Augen, um mich mental auf das 1. Rennen vorzubereiten.

Helmut fragte mich nach meinem Ziel, was ich heute erreichen will. Meine Antwort war: „Ich greife an, um weiter nach vorne zu fahren.“ Eine halbe Stunde vor dem Rennen habe ich mich in einen Stuhl gesetzt und meine Augen geschlossen. Im Kopf habe ich mir den Start vorgestellt, alles geht gut, ich überhole und alles läuft rund.

Zusammen mit meinem Vater, dem Mechaniker und Helmut bin ich dann zum Startplatz. Ich habe meinen Helm angezogen meine Handschuhe und mich ins Kart gesetzt. Natürlich ist man immer vor einem Start nervös, das ist normal, aber in dem Moment wo ich in die Aufwärmrunde gehe, ist alles vorbei. Wir sind eine Warmuprunde und dann die Formationsrunde gefahren und dann ging die Ampel auf Grün. Bis zur ersten Kurve verlief alles gut, doch dann standen plötzlich zwei Karts vor mir quer, ich musste ausweichen, bekam noch einen Schlag von hinten und landete in der Wiese. Jetzt hatte ich nur noch ein Ziel vor Augen, aufholen und wieder ran fahren, was mir auch gelang und so konnte ich noch den 8. Platz herausfahren. In der Auslaufrunde spürte ich plötzlich Schmerzen im Rücken und in meinen Rippen, das kam von dem Stoß den ich erhalten hatte.

Die Gespräche die ich mit Helmut immer wieder geführt hatte, haben mir sehr gut getan und in den Rennen geholfen. Das ich da plötzlich nicht mehr mitten im Feld sondern als Letzter aus der ersten Runde kam, hat mich auch nicht nervös gemacht, sondern ich war wild entschlossen, allen zu zeigen, ich komm wieder ran, hole auf und überhole noch.

Leider waren meine Schmerzen zu groß und ich musste nach einem kurzen Check im Krankenhaus auf die beiden letzten Rennen des Tages verzichten.

Es war für mich eine sehr positive Erfahrung die ich mit Helmut an dem Wochenende gemacht habe und ich habe viel für mich gelernt.

Mein Fazit und meine nächstes Ziel: „Ich reagiere in Zukunft ruhiger und gelassener, ich werde schnell sein und das nächste Rennen gewinnen.“

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